Migräne

Prof. Dr. A. Hufnagel

Welche Symptome habe ich bei Migräne?

Migräne zeichnet sich aus durch mittel bis starke überwiegend einseitige Kopfschmerzen, die für 4 bis 72 Stunden anhalten können. Typischerweise werden die Kopfschmerzen durch körperliche Anstrengung verstärkt und sind oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit, so dass in der akuten Migräneattacke Ruhe und Dunkelheit/Schlaf aufgesucht werden. Betroffen sind besonders Menschen zwischen 20 und 50 Jahren, aber auch alte Menschen oder Kinder können Migränekopfschmerzen haben. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Unterformen sind die Migräne ohne Aura und die Migräne mit Aura.

Wie verläuft eine Migräneattacke?

In einer typischen Migräneattacke kann man bis zu 4 unterschiedliche Phasen abgrenzen, die sich durch unterschiedliche Symptome charakterisieren lassen.

  • Die Prodromalphase: diese geht der eigentlichen Kopfschmerzattacke um 0 bis 48 Stunden voraus. Viele Patienten berichten über Heißhunger, eine Stimmungsänderung sowie vermehrtes Wasserlassen in dieser Phase.
  • Die Aura: falls es sich um eine Migräne mit Aura handelt, können in der Auraphase vorübergehende neurologische Ausfälle, wie Taubheit oder Lähmung einer oder mehrerer Extremitäten oder im Gesicht auftreten ebenso wie Sprachstörungen oder Sehstörungen wie Gesichtsfelddefekte oder helle gezackte Figuren, sog. Fortifikationen. Typischerweise entwickeln sich bei der Migräneaura die neurologischen Ausfälle langsam über 5-20 Minuten und sollten nicht länger als 60 Minuten anhalten.
  • Die Kopfschmerzphase: entweder nach der Prodromalphase oder der Auraphase setzt der Kopfschmerz ein. Zwei Drittel der Patienten beschreiben ihn als heftigen pochend-pulsierenden halbseitigen Kopfschmerz. Jedoch kann der Kopfschmerz auch beidseitig, im ganzen Kopf, hinter dem Auge, im Augenwinkel, am Hinterkopf oder im Nacken lokalisiert werden. Auch ein Seitenwechsel während der Attacke kann vorkommen. Kopfschmerzen im Nackenbereich werden oft mit der Halswirbelsäule in Verbindung gebracht, sind aber verursacht durch die Reizung des N. trigeminus im Rahmen der Migräneattacke und kein Zeichen von Verschleiß oder einer Bandscheibenvorwölbung.
  • Die postiktale Phase: bis zu 24 Stunden nach einer Migräneattacke berichten die Patienten noch über Nachwirkungen der Attacke in Form von ausgeprägter Müdigkeit, einem gewissen Erschöpfungsgefühl und damit einhergehender verminderter Belastbarkeit.

Welche Ursachen gibt es für eine Migräne?

Während die Migräne früher den psychosomatischen oder hysterischen Erkrankungen zugeordnet wurde, sind mittlerweile biologische Grundlagen bis hin zu spezifischen Gendefekten identifiziert worden. Grundlage der Migräne sind sehr wahrscheinlich genetisch festgelegte Instabilitäten von Ionenkanälen an Nervenzellen oder Energiepumpen an Stützgewebezellen des Gehirns, sog. Gliazellen. Dies erklärt, warum Migräneattacken episodisch auftreten. Zum Migränekopfschmerz kommt es dann durch Aktivierung von schmerzmodulierenden Systemen im Mittelhirn, welche Einfluss auf Nervenkerne im Hirnstammbereich nehmen, die zu einer Aktivierung sog. autonomer Nervenfasern und zu einer Erweiterung von Blutgefäßen an der harten Hirnhaut und der Hirnbasis führen. Über Schmerzfasern in den Gefäßwänden wird dies über Fasern des N. trigeminus als pulsierender Schmerz wahrgenommen.
Die Auslösung von Aurasymptomen ist durch eine elektrische Reizung der Hirnoberfläche verursacht, die zu einer Entladung von Nervenzellen führt. Diese breitet sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 3mm/min über die Hirnoberfläche aus, was die langsame Entwicklung der neurologischen Symptome in der Aura erklärt.

  Abbildung 1

Abbildung 1

Abbildung 1: EEG-Diagnostik bei einer Patientin mit Migräne

Wer ist von Migräne betroffen?

Im Kindesalter sind ca. 4% der Kinder betroffen, Jungen und Mädchen gleichhäufig. Bei etwa der Hälfte der Kinder endet das Auftreten von Migräne in der Pubertät. Jenseits der Pubertät treten bei etwa 12-14% der Frauen und 7-8% der Männer Migränekopfschmerzen auf. Dabei ist die Prävalenz der Migräne zwischen dem 30. und 39. Lebensjahr am höchsten und nimmt danach mit dem Alter wieder ab. Aber auch noch im höheren Alter sind Frauen doppelt bis dreimal so häufig betroffen wie Männer. Und auch nach dem 50. Lebensjahr kann eine Migräne erstmalig auftreten.
Während der Schwangerschaft kommt es bei 30-50 % der Frauen zu einem verminderten Auftreten, bei etwa 15% zu einem vermehrten Auftreten von Migräneattacken.

Welche Faktoren können eine Migräneattacke auslösen?

Es sind verschiedene Faktoren bekannt, die eine Migräneattacke auslösen können. Umweltfaktoren wie Lärm, Kälte oder Aufenthalt in Höhenlagen können ebenso wie weibliche Geschlechtshormone (Menstruation, Eisprung, Antibabypille), bestimmte Nahrungsmittel (Inhaltsstoffe von Rotwein, Schokolade, Käse), manche Medikamente aber auch psychische Faktoren wie Entlastung nach Stress und Erwartungsangst oder auch Hunger können ebenfalls Migräneattacken auslösen.

Wie kann man eine Migräne behandeln?

Zur Akuttherapie (Attackenbehandlung) stehen neben den nicht Migräne-spezifischen Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Metamizol und Paracetamol die Migräne-spezifischen Triptane zur Verfügung. Für die Einnahme von herkömmlichen Schmerzmitteln wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen ist zu beachten, dass eine ausreichend hohe Dosierung sowie gut und schnell vom Körper resorbierbare Darreichungsformen wie Brausetabletten oder Granulate gewählt werden.

Mittlerweile sind 7 verschiedene Triptane zugelassen. Neben dem ältesten Vertreter dieser Substanzklasse, dem Sumatriptan gibt es Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Eletriptan und Frovatriptan. Triptane wirken nicht nur auf die Kopfschmerzen, sondern bessern auch die Begleitsymptome Übelkeit, Erbrechen, Licht-und Lärmempfindlichkeit. Alle Triptane können bei zu häufiger Einnahme zu einer Häufung von Migräneattacken und Medikamenten-induzierten Dauerkopfschmerzen führen. Bei bestehenden Gefäßerkrankungen sowie bei bestehenden Gefäßrisikofaktoren dürfen Triptane nicht eingenommen werden.

Eine Migräneprophylaxe (Vorbeugebehandlung) sollte erfolgen, wenn es zu häufigen und schweren Migräneattacken kommt. Dies bedeutet

  • drei oder mehr Migräneattacken pro Monat
  • Migräneattacken, die regelmäßig länger als 24 Stunden anhalten
  • Attacken, die auf eine adäquate Therapie nicht ansprechen oder es zu nicht tolerablen Nebenwirkungen der Therapie kommt
  • Zunahme der Attackenfrequenz und Einnahme von Schmerzmitteln an mehr als 10 Tagen im Monat
  • Komplizierte Migräneattacken mit lang anhaltenden Auren

Für die Migräneprophylaxe werden im wesentlichen Medikamente eingesetzt, die ursprünglich für die Behandlung anderer Krankheiten entwickelt wurden. So kommen Beta-Blocker, Kalzium-Kanalblocker, Topiramat, Valproinsäure, Petadolex und auch Botulinumtoxin-Injektionen zum Einsatz.

Nichtmedikamentös ist moderater Ausdauersport ebenso hilfreich wie das Erlernen von Entspannungstechniken sowie die Akupunktur, deren Nutzen bei Migräne in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnte und auch von den nationalen und internationalen Kopfschmerzgesellschaften empfohlen wird.

Das Ziel der Prophylaxe ist, bei optimaler Verträglichkeit eine Reduktion der Attackenfrequenz um 50% zu erreichen. Dabei ist zu beachten, dass der therapeutische Effekt der Prophylaxe erst nach einigen Wochen eintritt und zu Beginn einer medikamentösen Therapie oft Nebenwirkungen auftreten, die meist im Laufe der Zeit nachlassen.

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Abbildung 2: Akupunktur zur Migräne-Behandlung in der Praxis von Prof. Dr. A. Hufnagel

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Abbildung 3: Manuelle Therapie zur Behandlung von Migräne

Wie diagnostiziert man eine Migräne am besten?

Neben einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte, insbesondere mit der Frage nach anderen Kopfschmerzformen (auch in der Familie), findet eine gründliche neurologische und psychiatrische Untersuchung statt. An Zusatzuntersuchungen werden ein EEG und eine Ultraschalluntersuchung der  Hals- und Hirngefäße durchgeführt. Zusätzlich werden bestimmte Laborwerte überprüft. Eine Kernspintomographie des Kopfes ist notwendig zum Ausschluss/Nachweis symptomatischer Kopfschmerzursachen und kann, falls noch nicht vorhanden, in einer radiologischen Praxis von uns in Auftrag gegeben werden. In manchen Fällen, insbesondere wenn es sich um eine erste Migräneattacke handelt, kann eine Analyse des Nervenwassers zum Ausschluss anderer Ursachen erforderlich sein.

Welche Möglichkeiten zur Diagnostik und Behandlung von Migräne bestehen in der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel?

In der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel stehen alle Möglichkeiten zur klinischen, laborchemischen und elektrophysiologischen Untersuchung aller Formen von Kopfschmerzen zur Verfügung. Somit kann eine exakte und sachgerechte Diagnose in den meisten Fällen sofort gestellt werden. Danach können unmittelbar therapeutische Maßnahmen in Form von spezifischer Physiotherapie mit Entspannungstraining, Akupunktur, medikamentöser Therapie und gegebenenfalls Psychotherapie eingeleitet werden, um die Migräne-Symptomatik zu lindern. Somit sind alle Therapieformen innerhalb der Praxis durchführbar.

Welche Unterlagen soll ich zu einer ambulanten Untersuchung mitbringen?
Neben wichtigen Arztbriefen und Ergebnissen über bereits durchgeführte Untersuchungen sind möglichst auch die Ergebnisse bisher erfolgter elektroneurographischer Messungen oder Kernspintomographien des Kopfes als Bildausdrucke oder CD mitzubringen.

 

Prof. Dr. A. Hufnagel • Neurologische Privatpraxis
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