ADHS
Psychologin M. Sc. Jona Mahlberg, Psychologin M. Sc. Christina Schulte; Prof. Dr. R. Weber, Prof. Dr. A. Hufnagel
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zu den häufigsten neurobiologischen Entwicklungsstörungen. Entgegen der früheren Annahme, ADHS sei ausschließlich eine Erkrankung des Kindesalters, weiß man heute, dass die Symptome bei vielen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Häufig wird die Erkrankung jedoch erst spät erkannt – nicht selten nach vielen Jahren des Leidensdrucks.
Menschen mit ADHS erleben ihren Alltag oft als deutlich anstrengender als andere. Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Vergesslichkeit oder Schwierigkeiten bei der Organisation können Beruf, Studium, Familie und Beziehungen erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig berichten viele Betroffene über eine hohe Ideenvielfalt, Begeisterungsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich bei interessanten Aufgaben außergewöhnlich intensiv zu konzentrieren.
Eine frühzeitige Diagnostik und eine individuell abgestimmte Behandlung können dazu beitragen, die Symptome deutlich zu lindern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Was ist ADHS?
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die durch Veränderungen der Aufmerksamkeitssteuerung, Impulskontrolle und Selbstregulation gekennzeichnet ist. Die Symptome beginnen bereits in der Kindheit und können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind etwa 5 % der Kinder und Jugendlichen sowie rund 2-4 % der Erwachsenen betroffen. Viele Erwachsene erhalten ihre Diagnose jedoch erst im späteren Leben, da sich das Erscheinungsbild der ADHS mit zunehmendem Alter verändert und insbesondere bei Frauen häufig lange unerkannt bleibt.
ADHS ist keine Folge mangelnder Intelligenz, fehlender Motivation oder einer falschen Erziehung. Vielmehr handelt es sich um eine Besonderheit der Gehirnentwicklung, die sich auf die Verarbeitung von Informationen, die Planung von Handlungen und die Regulation von Aufmerksamkeit und Emotionen auswirkt.
Wie entsteht ADHS?
Die genauen Ursachen einer ADHS kennen wir trotz umfangreicher Forschung noch nicht, aktuell geht man von einer Netzwerk-Störung im Gehirn aus. Heute gilt als gesichert, dass genetische Faktoren den größten Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung haben. Die Erblichkeit wird auf etwa 70-80 % geschätzt. Damit zählt ADHS zu den psychiatrischen Erkrankungen mit dem höchsten genetischen Einfluss. Häufig finden sich daher auch bei Eltern oder Geschwistern ähnliche Auffälligkeiten oder bereits diagnostizierte ADHS-Erkrankungen. ADHS ist eine polygenetische Erkrankung und nicht nur ein bestimmtes Gen ist betroffen.
Im Gehirn arbeiten insbesondere Netzwerke des Frontalhirns, die für Aufmerksamkeit, Planung, Arbeitsgedächtnis und Impulskontrolle verantwortlich sind, anders als bei Menschen ohne ADHS. Dabei spielt eine veränderte Regulation der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin eine wesentliche Rolle.
Zusätzlich können biologische Faktoren wie Frühgeburtlichkeit, ein niedriges Geburtsgewicht oder Schwangerschaftskomplikationen während der Schwangerschaft das Risiko erhöhen. Psychische Belastungen oder der Erziehungsstil verursachen ADHS dagegen nicht. Sie können jedoch beeinflussen, wie stark die Symptome wahrgenommen werden oder welche Auswirkungen sie auf den Alltag, die schulische oder berufliche Leistungsfähigkeit sowie soziale Beziehungen haben.
Wer ist von ADHS betroffen?
ADHS betrifft Menschen aller Altersgruppen und beider Geschlechter. Obwohl die Erkrankung bereits im Kindesalter beginnt, bleibt sie bei vielen Betroffenen lange unerkannt.
Während Jungen im Kindesalter häufiger durch ausgeprägte Hyperaktivität auffallen, zeigen Mädchen oftmals eher Unaufmerksamkeit, Tagträumen oder innere Unruhe. Dadurch wird ADHS bei Mädchen und Frauen deutlich seltener erkannt und häufig erst im Erwachsenenalter diagnostiziert.
Viele Erwachsene berichten rückblickend, dass sie bereits in der Schulzeit Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation oder Zeitmanagement hatten, die jedoch nie als ADHS eingeordnet wurden. Bei etwa der Hälfte bis zwei Dritteln der im Kindesalter Betroffenen bleiben Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen, wobei sich das Erscheinungsbild im Laufe des Lebens verändert.
Welche Symptome hat ADHS?
Die Symptome der ADHS können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Nicht jeder Betroffene zeigt alle Beschwerden gleichermaßen. Grundsätzlich unterscheidet man drei Kernbereiche: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
Unaufmerksamkeit
Menschen mit ADHS fällt es häufig schwer,
die Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten,
Aufgaben strukturiert zu bearbeiten,
Termine einzuhalten,
Gegenstände wiederzufinden,
Gesprächen dauerhaft zu folgen,
sich bei wenig interessanten Tätigkeiten zu konzentrieren.
Viele Betroffene berichten zudem von einer starken Ablenkbarkeit durch äußere Reize oder eigene Gedanken.
Hyperaktivität
Die klassische körperliche Hyperaktivität nimmt im Erwachsenenalter häufig ab. Stattdessen erleben viele Betroffene eine ausgeprägte innere Unruhe. Typisch sind beispielsweise:
das Gefühl, ständig unter Spannung zu stehen,
Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen,
permanentes Gedankenkreisen,
das Bedürfnis, ständig beschäftigt zu sein,
Ungeduld.
Impulsivität
Impulsivität zeigt sich unter anderem durch:
vorschnelle Entscheidungen,
häufiges Unterbrechen anderer,
Schwierigkeiten abzuwarten,
spontanes Handeln ohne ausreichende Planung,
emotionale Überreaktionen.
Weitere häufige Symptome
Neben den Kernsymptomen berichten viele Erwachsene über:
Schwierigkeiten bei Planung und Organisation
Probleme mit Zeitmanagement
Emotionale Überempfindlichkeit und geringe Frustrationstoleranz
Stimmungsschwankungen
Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen
Heißhungerattacken
Viele Menschen mit ADHS berichten zudem von Phasen eines sogenannten Hyperfokus. Dabei gelingt es ihnen, sich bei besonders interessanten oder motivierenden Tätigkeiten über längere Zeit außergewöhnlich intensiv zu konzentrieren. Gleichzeitig können alltägliche oder wenig reizvolle Aufgaben erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Der Hyperfokus ist kein offizielles Diagnosekriterium, wird jedoch von vielen Betroffenen als typisches Merkmal ihres Erlebens beschrieben.
Aus den genannten Symptomen resultieren häufig Probleme in Schule, Ausbildung, Beruf und Partnerschaft. Es entstehen nicht selten Selbstwertprobleme, da Betroffene wiederholt negative Rückmeldungen erfahren, obwohl sie sich oft sehr bemühen. ADHS tritt zudem häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen/Störungen auf, etwa Angststörungen, Depressionen, Teilleistungsstörungen (z. B. Lese-Rechtschreib-Störung) oder einer erhöhten Suchtneigung. Diese müssen in der Differentialdiagnose berücksichtigt und diagnostiziert bzw. ausgeschlossen werden.
Wie verläuft ADHS?
ADHS beginnt typischerweise bereits im Kindesalter, häufig vor dem 12. Lebensjahr. Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen bessern sich die hyperaktiven Symptome mit zunehmendem Alter, während Aufmerksamkeitsprobleme, innere Unruhe und die genannten Begleitschwierigkeiten häufiger bestehen bleiben – oft in einer abgewandelten, weniger offensichtlichen Form als im Kindesalter.
Unbehandelt kann ADHS im Verlauf zu schulischen und beruflichen Schwierigkeiten, Beziehungsproblemen und einem erhöhten Risiko für Begleiterkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen führen. Mit einer entsprechenden Behandlung lassen sich Symptome und Alltagsfunktion jedoch meist deutlich verbessern.
Wie erkennt man ADHS?
Am wichtigsten sind die vom Patienten und, insbesondere bei Kindern, von den Bezugspersonen (z. B. Eltern, Lehrern) geschilderten Symptome (Eigenanamnese und Fremdanamnese). Für die Diagnosestellung ist entscheidend, dass die Symptome bereits in der Kindheit vorhanden waren, in mehreren Lebensbereichen auftreten (z. B. zu Hause und in der Schule bzw. am Arbeitsplatz) und zu einer relevanten Beeinträchtigung führen.
Darüber hinaus gibt es standardisierte Fragebögen und Testverfahren, die eine Einschätzung des Ausmaßes der Symptomatik erleichtern. Eine neuropsychologische Testung kann Aufmerksamkeitsleistung, Impulskontrolle und weitere kognitive Funktionen objektivieren. Wichtig ist zudem die Abgrenzung von anderen Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können (z. B. Schilddrüsenfehlfunktion, Schlafstörungen, Angststörungen, Depressionen), sowie der Ausschluss organischer Ursachen durch eine gezielte Anamnese und neurologische Diagnostik wie in unserer Praxis.
Die Diagnose einer ADHS sollte ausschließlich im Rahmen einer umfassenden fachlichen Diagnostik gestellt werden. Einzelne Fragebögen oder Konzentrationstests allein reichen hierfür nicht aus. Erst die Kombination aus Anamnese, standardisierten diagnostischen Verfahren und der sorgfältigen Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen ermöglicht eine zuverlässige Diagnosestellung.
Wie behandelt man ADHS?
Die Behandlung von ADHS erfolgt am wirksamsten multimodal durch PsychiaterInnen, NeurologInnen und PsychologInnen mit Hilfe einer Kombination aus Psychoedukation, psychologischer und medikamentöser Therapie sowie unterstützenden Maßnahmen wie Struktur- und Organisationshilfen. Insgesamt empfiehlt sich eine integrierte Behandlung, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt wird.
Psychotherapeutische Behandlung von ADHS
Die Psychotherapie ist ein zentraler Baustein der ADHS-Behandlung. Sie wird durch qualifizierte Ärzte oder psychologische Psychotherapeuten durchgeführt, überwiegend in Form der Verhaltenstherapie. Hierbei werden unter anderem Strategien zur Selbstorganisation, Zeitplanung und Impulskontrolle erarbeitet, dysfunktionale Denkmuster (z. B. negative Selbstbewertungen) bearbeitet und der Umgang mit Emotionen verbessert.
Medikamentöse Therapie von ADHS
Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die Signalübertragung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin in bestimmten Hirnnetzwerken zu verbessern. Dadurch können Aufmerksamkeit, Konzentration, Impulskontrolle und Selbststeuerung deutlich gefördert werden. Die medikamentöse Behandlung stellt keine Heilung der ADHS dar. Sie kann jedoch die Kernsymptomatik während ihrer Wirkdauer deutlich reduzieren und dadurch den Alltag, die berufliche Leistungsfähigkeit sowie soziale Beziehungen erheblich erleichtern.
Die Wahl des Medikaments, der Dosierung und der Einnahmedauer wird durch den Facharzt (Psychiater, Neurologen oder Kinder- und Jugendpsychiater) in enger Abstimmung mit dem Patienten festgelegt und regelmäßig fachärztlich und mit Zusatzuntersuchungen überprüft.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Körperliches Training, insbesondere regelmäßiger Ausdauersport, kann sich günstig auf Aufmerksamkeit, Stimmung und Impulskontrolle auswirken, da hierdurch unter anderem die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin angeregt wird. Auch Entspannungsverfahren, eine feste Tagesstruktur sowie Coaching zu Organisation und Zeitmanagement können den Alltag von Betroffenen deutlich erleichtern.
Welche Möglichkeiten der Erkennung und Behandlung von ADHS gibt es in der Praxis von Prof. Dr. A. Hufnagel in Düsseldorf?
In der Praxis von Prof. Dr. A. Hufnagel erfolgt die Diagnostik der ADHS nach aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien durch die Neurologen Prof. Dr. Hufnagel oder Prof. Dr. Weber in Zusammenarbeit mit Psychologinnen, die alle langjährige Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit ADHS haben. Grundlage sind eine umfassende ärztliche und psychologische Anamnese, neurologisch-körperliche Untersuchung, standardisierte Fragebögen sowie neuropsychologische Testverfahren. Bei Bedarf werden ergänzend neurologische technische Untersuchungen, Laboruntersuchungen oder bildgebende Verfahren eingesetzt, um andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen oder Begleiterkrankungen zu erkennen.
Auf Basis der Diagnostik wird gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt. Je nach persönlicher Situation können psychologische Maßnahmen, eine medikamentöse Behandlung sowie Empfehlungen zur Alltagsstrukturierung, zum Zeitmanagement und zu unterstützenden Lebensstilmaßnahmen und der Einsatz von Entspannungstechniken sinnvoll miteinander kombiniert werden.
Unser Ziel ist eine umfassende, wissenschaftlich fundierte und individuell abgestimmte Diagnostik und Behandlung, die nicht nur die Symptome berücksichtigt, sondern den Menschen in seiner gesamten Lebenssituation in den Mittelpunkt stellt.
Terminvereinbarungen unter Telefon 0211-87638480 in der neurologischen Privatpraxis Prof. Dr. Hufnagel.