Bandscheibenvorfall

Prof. Dr. A. Hufnagel

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall kommt es durch Druck auf die Nervenwurzeln durch Bandscheibengewebe und/oder knöchernes Gewebe zu Schmerzen. Außerdem können Lähmungen und Gefühlsstörungen auftreten. Im Bereich der Halswirbelsäule sind besonders die unteren Abschnitte (5. bis 8. Halswirbel) betroffen, da hier mehr degenerative Veränderungen auftreten und größere Bewegungsexkursionen am Übergang zur relativ starren Brustwirbelsäule erfolgen.

Im Bereich der Lendenwirbelsäule sind die beiden untersten Etagen mit den Wurzeln L5 und S1 am häufigsten betroffen, die das Gebiet an der äußeren Wade über den Fußrücken bis hin zur Großzehe sowie die Muskeln für die Hebung des Fußes versorgen.  

Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule

Welche Symptome habe ich bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS)?

Meist kommt es relativ plötzlich zu Schmerzen im Bereich von Nacken oder Schulter, die nach Drehbewegungen des Kopfes, längerem Nachvornebeugen des Kopfes bei Schreibtischarbeit oder Lesen oder morgens beim Aufwachen auftreten. Die Schmerzen werden oft als ziehend oder reißend mit Ausstrahlung in Hand und Arm beschrieben und können sich in der Nacht oder durch Positionswechsel verschlimmern. Zusätzlich können Ausfälle in den Bereichen Gefühl oder Kraft in bestimmten Regionen des Armes oder der Hand, zumeist einseitig, auftreten. Begleitend treten häufig Hinterkopf- oder Stirnkopfschmerzen, Mißempfindungen im Nackenbereich, Gereiztheit und Abgeschlagenheit auf. 

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule?

Durch degenerative Veränderungen kommt  es zu einer zunehmenden Vorwölbung und im Verlauf auch zu einem Vorfall des gallertigen Kerns der Bandscheibe durch den Faserring. Hierdurch rücken die Wirbelkörper aneinander und es kommt in der Folge zu knöchernen Umbauten und einer Fehlstellung kleiner Wirbelgelenke. Dies führt zu einer knöchernen Einengung der Zwischenwirbelgelenke. Nervenwurzeln können durch Bandscheibengewebe oder auch durch knöcherne Umbauten gedrückt werden. Dies führt zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen.

Wer ist von einem Bandscheibenvorfall betroffen?

Bei Bandscheibenvorfällen im Bereich der Halswirbelsäule sind Männer 2-3x häufiger als Frauen betroffen. Typischerweise treten Beschwerden in der 4. und 5. Lebensdekade auf.

Wie behandelt man einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule am besten?

Bei starken Schmerzen kann eine teilweise und vorübergehende Ruhigstellung für einige wenige Tage notwendig sein. Zur Lockerung der Muskulatur können Wärmeanwendungen sowie muskelentspannende Medikamente eingesetzt werden. Nach Abklingen der akuten Schmerzen sollte dann rasch mit spezifischer Physiotherapie begonnen werden und eine Mobilisation und ein Muskelaufbau erfolgen. Zur Behandlung von  Missempfindungen und Schmerzen kann überdies die Neural-Akupunktur zum Einsatz kommen.

Eine Operation ist erforderlich, wenn es bei kernspintomographisch nachweisbaren Bandscheibenvorfällen im Halsbereich zu Symptomen der Rückenmarks- oder Nervenwurzelkompression mit zumindest mittelgradigen Lähmungen an den Extremitäten kommt.  Auch wenn das Schmerzsyndrom gar nicht auf die nichtoperative Therapie anspricht, ist eine Operation möglicherweise angezeigt.

Wie ist die Prognose bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule?

Innerhalb von 4 Wochen kommt es bei 75% der Patienten unter konservativer Therapie zu einer guten Besserung der Beschwerden.  Die konservative Therapie besteht aus Physiotherapie, physikalischer Therapie und Schmerztherapie. Insgesamt führt  die konservative Therapie bei über 90% der Patienten im Endeffekt zur Beschwerdefreiheit. Nur ca. 10% der Patienten benötigen eine Operation. Zu bedenken ist weiterhin, dass 5-10 % der Patienten nach einer Operation weiterhin erhebliche Schmerzen oder Nervenausfälle haben, die z.T. gravierend und z.T. verschlechtert gegenüber der Ausgangssituation sind, das sogenannte "Failed-back Syndrom“. Dennoch wird in Deutschland zuviel Wirbelsäulen-Chirurgie durchgeführt. Vor einer Operation ist es zumeist ratsam eine 2. Meinung einzuholen. Dies ist in der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel problemlos möglich.

Interessanterweise konnte bisher kein sicherer Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der Nervenausfälle, der Beschwerdedauer vor Operation, zusätzlichen knöchernen Veränderungen und dem Therapieerfolg gefunden werden.

Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule

Welche Symptome habe ich bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS)?

Abbildung 1

Auch bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS treten Schmerzen auf, die entweder lokal im Bereich der LWS lokalisiert sind oder zumeist einseitig in ein Bein ausstrahlen. Hinzu können Lähmungen oder Störungen der Empfindung kommen, die in den von der betroffenen Nervenwurzel versorgten Muskeln oder Hautarealen auftreten. Einzelne Muskeleigenreflexe an den Beinen sind dann gegenüber der gesunden Seite abgeschwächt.

Abbildung 1: Bandscheibenvorfall im Kernspintomogramm (MRT) dargestellt.

 

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule?

Abbildung 2

Der Entstehungsmechanismus ist der gleiche wie bei Bandscheibenvorfällen in der HWS. Durch degenerative Veränderungen kommt  es zu einer zunehmenden Vorwölbung und im Verlauf auch zu einem Vorfall des gallertigen Kerns der Bandscheibe durch äußere Risse im Faserring.  Die mechanische Kompression der Nervenwurzeln löst eine Mangelversorgung und/oder entzündliche Reaktion aus, die schmerzhaft ist. Durch die Fehlstellung oder Fehlbelastung der Knochen-, Band- oder Gelenkstrukturen kann es über eine reflektorische Muskelverspannung zusätzlich zu Schmerzen kommen, die tief sitzen, von dumpf-brennendem Charakter und schlecht lokalisierbar sind.

Abbildung 2: Darstellung der Kompression der Nervenwurzel durch Vorfall des gallertigen Kerns der Bandscheibe nach außen

Welche Faktoren begünstigen das Auftreten von Bandscheibenvorfällen in der LWS?

Besonders eine Fehlhaltung sowie das kontinuierliche Arbeiten in einer unveränderten Position, welche unabhängig von der Schwere der Belastung ist, können das Auftreten eines Bandscheibenvorfalles begünstigen. Auch eine geringe körperliche Fitness sowie eine schwach ausgebildete Rumpfmuskulatur sind begünstigend.

Wer ist von einem Bandscheibenvorfall in der LWS betroffen?

Bei Bandscheibenvorfällen im Bereich der Lendenwirbelsäule sind Männer häufiger als Frauen betroffen. Typischerweise treten Beschwerden in der 3. und 4. Lebensdekade auf.

Wie ist die Prognose bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule?

Bei konservativer Behandlung  liegt die Erfolgsquote über 90%. Abhängig vom Ausmaß des Bandscheibenvorfalles  kommt es nach 1 Jahr bei ca. 75% der Patienten zu einer teilweisen oder kompletten Rückbildung des Vorfalles oder der Vorwölbung im Computertomogramm oder Kernspintomogramm der Lendenwirbelsäule. Bei operativer Behandlung werden in bis zu 90% der Fälle, die operationsbedürftig sind, befriedigende Resultate erzielt. Bei 5% allerdings kommt es zumeist durch Verwachsungen bedingt zu chronischen Schmerzen (Failed-back Syndrom).

Wie diagnostiziert  man einen Bandscheibenvorfall am besten?

Diagnostik und Therapie der Bandscheibenvorfälle fallen in das Fachgebiet des Neurologen. Am Anfang stehen eine genaue Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) und eine fachärztliche, klinisch-neurologische Untersuchung. Danach erfolgt die Untersuchung der peripheren Nerven mit elektrophysiologischen Methoden. Hierbei werden überwiegend die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven vermessen. Begleitet wird dies durch ein EMG (Elektromyographie  - elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel).

Eine Kernspintomographie der Hals – oder Lendenwirbelsäule ist erforderlich, um das Ausmaß des Bandscheibenvorfalles festzustellen.

Wie behandelt man einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule am besten?

In der Akutphase ist ggf. bei starken Schmerzen eine vorübergehende und teilweise Ruhigstellung notwendig. Zur Lockerung der Muskulatur können Wärmeanwendungen sowie muskelentspannende Medikamente eingesetzt werden. Nach Abklingen der schweren akuten Schmerzen sollten dann mit spezifischer Physiotherapie eine Mobilisation und ein Muskelaufbau erfolgen. Zur Behandlung von  Missempfindungen und Schmerzen kann überdies die Neural-Akupunktur zum Einsatz kommen.

Eine Operation ist erforderlich, wenn es zu Symptomen mit Störungen der Blasen- und/oder Darmfunktion, schweren Lähmungen ohne Rückbildungstendenz innerhalb von 2-3 Wochen oder ein gar nicht auf die nichtoperative Therapie ansprechendes Schmerzsyndrom mit dazu passendem Befund in der Schichtaufnahme kommt.

Abbildung 3

Abbildung 3: Lasertherapie bei Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule

Welche Möglichkeiten zur Diagnostik und Behandlung bestehen in der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel?

Abbildung 4

Abbildung 4

In der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel stehen alle Möglichkeiten zur klinischen, laborchemischen und elektrophysiologischen Untersuchung aller Formen von Bandscheibenvorfällen zur Verfügung. Somit kann eine exakte und sachgerechte Diagnose in den meisten Fällen sofort gestellt werden. Danach können unmittelbar therapeutische Maßnahmen in Form von spezifischer Physiotherapie, medikamentöser Therapie, Neural-Akupunktur und gegebenenfalls Infusionstherapie eingeleitet werden um die Schmerz-Symptomatik zu lindern. MRT-Untersuchungen werden in unmittelbarer Kooperation mit Radiologen in der näheren Umgebung durchgeführt.  Somit  sind  alle Therapieformen innerhalb der Praxis durchführbar.

Abbildung 4: Physiotherapeuten-Team in der Praxis von Prof. Dr. A. Hufnagel

Welche Unterlagen soll ich zu einer ambulanten Untersuchung mitbringen?

Neben wichtigen Arztbriefen und Ergebnissen über bereits durchgeführte Untersuchungen sind möglichst auch die Ergebnisse bisher erfolgter elektroneurographischer Messungen oder Kernspintomographien der Lendenwirbelsäule oder Halswirbelsäule als Bildausdrucke oder CD  mitzubringen. Dies ist insbesondere erforderlich wenn eine 2. Meinung eingeholt werden soll.

 

Prof. Dr. A. Hufnagel • Neurologische Privatpraxis
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