Schwindel

Prof. Dr. A. Hufnagel

Wie entsteht Schwindel?

Schwindel entsteht immer dann wenn die Informationen des Sehens, des Gleichgewichts aus dem Gleichgewichtsorgan und des Lagesinns nicht zusammen passen.

 

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Abbildung: Darstellung der Bogengänge des Gleichgewichtsorgans im Innenohr (rechts)

Welche Ursachen gibt es für den Schwindel?

Es gibt sehr viele Ursachen von Schwindel und überdies verschiedenste Formen des Schwindels. Neben Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, Gehirnerkrankungen wie z.B. Schlaganfällen oder Gehirntumoren oder Erkrankungen eines Gleichgewichtsnerven können auch Rückenmarkserkrankungen oder eine Polyneuropathie für die Schwindelentstehung verantwortlich sein.

Psychische Ursachen führen beim phobischen Schwindel (Angstschwindel) zum Schwindelerlebnis oder zu Panikattacken.

Letztlich können auch internistische Erkrankungen, wie z.B. Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenfehlfunktionen, Gefäß-Verschlüsse an den hirnzuführenden Arterien, ein zu niedriger oder sehr hoher Bluthochdruck oder selbst Nierenleiden einen Schwindel hervorrufen.

Bei jedem einzelnen eingenommenen Medikament sollte überprüft werden ob es nicht als Ursache des Schwindels infrage kommt. Sehr viele Medikamente können einen Schwindel als Nebenwirkung hervorrufen. Hierunter finden sich insbesondere Blutdrucksenker, Psychopharmaka und Schmerzmittel.

Wer ist von Schwindel betroffen?

Schwindel ist insgesamt sehr häufig. Etwa 30 % aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens zumindest einmalig unter Schwindel. Im Alter ist der Schwindel häufiger als in der Jugend.

Welche Symptome habe ich beim Schwindel?

Schwindel kann als Dreh-, Schwank- oder Liftschwindel bezeichnet werden. Falls er sich nicht in dieser Form einordnen lässt spricht man vom diffusen Schwindel. Wichtig ist auch ob es sich um Attackenschwindel oder Dauerschwindel handelt. Das Sehen kann während des Schwindels verschwommen sein. Bei länger anhaltendem Schwindel können Übelkeit und Erbrechen hinzukommen. Bei manchen Schwindelformen ergibt sich eine Fallneigung oder Gangabweichung zu einer Seite oder in alle Richtungen. Manche Schwindelformen können sich plötzlich innerhalb von Minuten - andere allmählich über Tage und Wochen entwickeln. Schließlich lassen sich manche Schwindelformen durch gewisse Lagen oder Bewegungen provozieren oder verstärken und andere sind davon unabhängig. Starker Schwindel geht mit Angst einher. Angst kann das Schwindelerlebnis weiter verstärken oder selbst zum Problem werden.

Welche Schwindel-Erkrankungen gibt es?

Nachfolgend werden die wichtigsten 5 Schwindelformen besprochen:

1. Gutartiger Lagerungsschwindel (Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel):

Der gutartige Lagerungsschwindel ist die häufigste Schwindelform. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere. Etwa 2,5 % der Bevölkerung erleiden zumindest für einen gewissen Zeitraum diesen Schwindel. Er ist charakterisiert durch einen Drehschwindel bei gewissen Bewegungen des Kopfes oder des Körpers für die Dauer von ca. 5 bis 60 s. Häufig wird ein Schwindel bei Kopfdrehung nach rechts oder links im Liegen ausgelöst. Zwischen der Kopfdrehung und dem Beginn des Schwindels liegen meistens einige Sekunden. Ein Ohrgeräusch oder eine Veränderung des Hörens fehlen. Da die Dauer des Schwindels recht kurz ist kommt es zumeist nicht zu Übelkeit oder Erbrechen. Angst kann assoziiert sein.
Bei dieser Schwindelform kommt es zur Bildung von Kristallen (oder kleinen Körnchen) in den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Diese führen zu einem verstärkten Reiz, der über einen Reflex mit ruckartigen Augenbewegungen beantwortet wird. Hierdurch ergibt sich für den Betroffenen das Erlebnis des Drehschwindels.
Bei 90 % aller Fälle entsteht der gutartige Lagerungsschwindel von selber. Bei 10 % entsteht er nach einem Unfall oder einer längeren Bettruhe oder im Rahmen einer anderen Erkrankung wie z.B. einer Entzündung des Gleichgewichtsnerven oder einem M. Menière.
Zur Therapie des gutartigen Lagerungsschwindels sind Lagerungsübungen besonders gut geeignet. Medikamente helfen, wenn überhaupt, nur in der Anfangsphase und sind möglichst zu vermeiden.

2. Phobischer Schwindel

Der phobische Schwindel ist in Deutschland die zweithäufigste Schwindelform. Er tritt häufig bei Angststörungen oder Panikattacken auf und ist auch mit der Depression assoziiert. 70 % sind über Monate und Jahre betroffen und in ihrer beruflichen Tätigkeit oder privaten Lebensqualität eingeschränkt. Die Patienten schildern häufig einen Schwankschwindel oder diffusen Schwindel aber gleichzeitig auch ein Benommenheitsgefühl oder eine Leere im Kopf, eine Unsicherheit beim Gehen oder das Gefühl zu fallen. Vereinzelt wird auch Übelkeit und Erbrechen beschrieben. Assoziiert können Konzentrations- und Antriebsstörungen, Leistungsminderung und andere Symptome wie: Herzrasen, Übelkeit, Schweißausbrüche, Erstickungsangst und Luftnot, Gewichtsverlust und Appetitmangel, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und diffuse Angst angegeben werden. Bei vielen Patienten tritt der Schwindel in auslösenden Situationen auf, wie z.B. beim Autofahren, beim Überfahren von Brücken, bei Anwesenheit großer Menschenansammlungen im Kaufhaus oder Restaurant, bei gewissen Situationen wie Konferenzen oder in engen Räumen. Stress am Arbeitsplatz oder in der privaten Lebensführung kann den phobischen Schwindel verstärken.
Im Verlauf kann es zu einer Ausweitung der auslösenden Situationen mit ausgesprochenem Vermeidungsverhalten kommen. Der phobische Schwindel kann aus einer anderen Schwindelerkrankung, wie z.B. einer abgelaufenen Entzündung des Gleichgewichtsnerven oder einem gutartigen Lagerungsschwindel hervorgehen. Eine attackenartige Verschlechterung ist häufig. Schließlich kann der phobische Schwindel auch ohne erkennbare Auslöser auftreten. Der phobische Schwindel wird häufig erst spät erkannt und meistens noch später (nach Jahren) adäquat behandelt. Fehldiagnosen sind häufig.
Zur Therapie werden Angst-lösende Medikamente in der Anfangsphase oder Antidepressiva, eine Verhaltens-Psychotherapie und ein physiotherapeutisches Anti-Schwindeltraining angewendet. Die Prognose ist insgesamt eher günstig. Die Behandlung kann jedoch langwierig sein. Etwa 75 % werden nach mehreren Jahren beschwerdefrei.

3. Entzündung des Gleichgewichtsnerven (Neuritis vestibularis)

Ähnlich einem Hörsturz kann auch der Gleichgewichtsnerv plötzlich ausfallen und zu heftigem lange anhaltendem Drehschwindel mit Fallneigung, Gangabweichung, Übelkeit und Erbrechen mit abruptem Beginn führen. Der Schwindel erreicht oft innerhalb von wenigen Stunden bis 1-2 Tagen einen Höhepunkt und klingt dann allmählich über 1-2 Wochen wieder ab. Eine leichte Schwindelsymptomatik kann noch länger bestehen bleiben. Ursache dieses Schwindels ist eine Entzündung des Gleichgewichtsnerven (8. Hirnnerv). Ausgangspunkt der Entzündung ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Virus (am ehesten Herpes Virus) obgleich dies nicht endgültig bewiesen ist.
Die Behandlung stützt sich auf die Gabe von Antischwindel-Medikamenten. Physiotherapie (Krankengymnastik) soll unmittelbar nach dem Abklingen des heftigen Schwindels, somit schon nach wenigen Tagen, angewendet werden. Hierdurch wird eine Neueichung des Gleichgewichtssystems erwirkt und kompensatorische (ausgleichende) Mechanismen im Gehirn unterstützt.

4. Menière‘sche Erkrankung

Beim Morbus Menière kommt es zum Attackenschwindel. Aus heiterem Himmel entstehen z.T. sehr heftige Drehschwindelattacken mit Übelkeit, Erbrechen und Angstzuständen. Viele Patienten erleben vor einer Attacke ein Ohrdruckgefühl auf der betroffenen Seite. Die Attacken erreichen innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und klingen innerhalb von 5 min bis mehreren Stunden vollständig ab. Es entwickelt sich jedoch bei vielen Patienten zunehmend auch zwischen den Attacken eine Angst vor der nächsten Schwindelattacke.
Verantwortlich für die Attacke ist ein Aufstau von Flüssigkeit (Endolymphe) im Gleichgewichtsorgan. Ist der Druck entsprechend hoch kommt es zur Zerreißung einer Membran und zum Druckausgleich. Dies löst die Schwindelattacke aus. Während der Attacke kann das Hören auf der betroffenen Seite vermindert sein. Zunehmend kommt es zumeist zu einer fortschreitenden dauerhaften Hörminderung. Häufig entsteht auch ein Tinnitus. Etwa 20 % der Patienten sind bds. betroffen. Eine wissenschaftlich belegte Therapie, die den M. Menière aufhält oder sogar verbessert gibt es nicht. Behandlungsempfehlungen beinhalten salzreich Kost oder Entwässerungsmittel. Mehrere verschiedene Medikamnete können die Symptome lindern. Weitere therapeutische Maßnahmen zielen auf das Ausschalten des Gleichgewichtsorgans im fortgeschrittenen Stadium durch Medikamente oder Operationen. Im Laufe der Jahre kommt es bei den meisten Patienten zu einer nachlassenden Attackenhäufigkeit und -intensität

In der neurologischen Praxis von Prof. Dr. A. Hufnagel wurden bisher mehr als 15 Patienten mittels Opton-Tiefen-Laser behandelt. Sie gaben ganz überwiegend eine deutliche Besserung Ihrer Attackenhäufigkeit und -intensität und in mehreren Fällen ein vollständiges Verschwinden der Attacken an.

5. Zentraler Schwindel oder beidseitige Erkrankung des Gleichgewichtsorgans (bilaterale Vestibulopathie)

Bei dieser Schwindelform handelte es sich um eine Erkrankung oder nachlassend Funktion beider Gleichgewichtsorgane. Dies ist bis zu einem gewissen Ausmaß im hohen Alter häufig anzutreffen und somit Teil des Alterungsprozesses. Der Schwindel tritt nicht in Ruhe sondern nur bei Bewegungen des Kopfes oder beim Stehen oder Gehen auf. Im Liegen oder Sitzen besteht demgegenüber kein Schwindel. Erklären kann man sich dieses Phänomen dadurch, dass der „Computer Gehirn“ die 3 Komponenten, die zum Gleichgewicht beitragen, nämlich Information des Sehens, der Lageempfindung aus den Muskeln und Gelenken und des Gleichgewichtsorgane nicht ausreichend schnell verarbeiten kann. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Informationen reicht in Ruhe aus und es entsteht kein Schwindel. Eine ähnliche Problematik tritt auf, wenn nicht das Gleichgewichtsorgan aber das Gehirn insgesamt erkrankt ist, beispielsweise im Rahmen von Schlaganfällen, Mikroangiopathie (Schlaganfälle der kleinsten Gehirngefäße) oder Verminderung des Gehirnvolumens (Gehirnatrophie). Medikamente helfen hier nicht. Besserung kann jedoch durch kontinuierliches Gleichgewichts- und Gangtraining herbeigeführt werden.

6. Seltene Schwindelformen

Neben den oben beschriebenen Schwindelformen gibt es noch weitere, seltenere Arten von Schwindel wie z.B. Schwindel als Form einer Migräne oder bei angeborenen und genetisch bedingten Erkrankungen. Diese hier zu beschreiben würde zu weit führen. Bei Verdacht auf eine seltene Schwindelform sollte eine Untersuchung bei einem spezialisierten Neurologen stattfinden um die Diagnose zu stellen.

Welche Medikamente helfen bei Schwindel?

Insgesamt ist zu sagen, dass Medikamente gegen Schwindel häufig nur in geringem Ausmaß und meistens nur in der akuten Phase einer Schwindelattacke helfen. Danach sollten Sie abgesetzt werden um nicht einer Neueichung des Gleichgewichts-Systems im Wege zu stehen. Die entsprechenden Medikamente sind weiter oben bei den einzelnen Schwindelformen beschrieben.

Welcher Facharzt behandelt Schwindel?

Die genaue Diagnose des vorliegenden Schwindels zu erstellen fällt in das Fachgebiet des Neurologen und des HNO-Arztes und beim phobischen Schwindel auch in den Bereich des Psychiaters. Schwindel bei Herzrhythmusstörungen sollte internistisch/kardiologisch abgeklärt werden.

Wie diagnostiziere ich Schwindel am besten?

Immer notwendig ist die Untersuchung durch einen Neurologen oder HNO-Arzt und gegebenenfalls auch Kardiologen und Psychiater. Auf dem Gebiet der Neurologie sind die Ableitung eines EEGs, die Darstellung der Hörbahn (AEP), die Durchblutungs-Messung im Gehirn mit dem Ultraschall, Provokationstests und die Durchführung einer Kernspintomographie des Kopfes notwendig. In den HNO-ärztlichen Bereich fällt die Untersuchung des Hörens und die Untersuchung der Gleichgewichtsorgane durch kalorische Stimulation (Spülung mit warmem und kaltem Wasser). Beide Fachdisziplinen können eine Elektronystagmographie (Aufzeichnung der Augenbewegung unter gewissen Provokationsbedingungen) durchführen. Ein EKG sollte stets abgeleitet werden und bei Rhythmusstörungen ein Kardiologe mit eingebunden werden. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist ein Schwindel mit der Erkrankung der Halswirbelsäule in Zusammenhang zu sehen.

Wie behandelt man Schwindel am besten?

Die besten Behandlungsergebnisse sind durch Physiotherapie mit den Schwerpunkten Gleichgewichts- und Gangtraining auch unter Anwendung von spezifischen Lagerungsübungen zu erzielen. Medikamente wie Betahistin und Sulpirid sollten bei Attackenschwindel in den ersten Tagen der Erkrankung angewendet werden. Spezifische Therapieformen sind bei einzelnen Schwindelarten möglich. Psychotherapie ist immer dann angezeigt, wenn der Schwindel psychiatrische Ursachen hat oder zu psychiatrischen Störung geführt hat. Hier sind häufig 25-50 Sitzungen Verhaltens-Psychotherapie notwendig, bzw. oft ausreichend. Die Prognose ist insgesamt als eher günstig einzustufen.

Welche Möglichkeiten zur Diagnostik bestehen in der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel?

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In der Praxis von Prof. Dr. Hufnagel stehen alle Möglichkeiten zur klinischen und elektrophysiologischen Untersuchung aller Formen von Schwindel zur Verfügung. Somit kann eine exakte und sachgerechte Diagnose sofort gestellt werden. Danach können unmittelbar therapeutische Maßnahmen in Form von spezifischer Physiotherapie, medikamentöser Therapie, Neural-Akupunktur und gegebenenfalls Infusionstherapie eingeleitet werden um die Schwindelsymptomatik zu lindern. Mehrere Psychotherapeuten /Psychotherapeutinnen können den raschen Beginn einer Verhaltens-Psychotherapie bei Bedarf gewährleisten. Auch Notfallbehandlungen sind möglich. Somit sind alle Therapieformen innerhalb der Praxis durchführbar.

Welche Unterlagen soll ich zu einer ambulanten Untersuchung mitbringen?

Neben wichtigen Arztbriefen und Ergebnissen über bereits durchgeführte Untersuchungen sind möglichst auch Kernspintomographien des Kopfes mitzubringen. Zusätzlich füllen sie bitte den nachfolgenden Schwindel-Fragebogen aus und bringen ihn zur Untersuchung mit.

 

Prof. Dr. A. Hufnagel • Neurologische Privatpraxis
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